Privates Sankt-Josef-Gymnasium Biesdorf
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Compassio

Compassio
Als feste Einrichtung gibt es an unserer Schule ein soziales Praktikum, genannt "Compassio - Mitleiden". Bei diesem Praktikum geht es darum, dass unsere Schülerinnen und Schüler soziales Lernen einüben, und nicht darum, berufliches Handwerkzeug zu erlangen.
"Mitleid/Compassio" heißt: - lernen mit Menschen, die krank, behindert, alt oder verhaltensaufällig sind, die "übersehen" werden, sinnvoll umzugehen,
- lernen, dass auch so ein Leben lebenswert ist, dass auch diese Menschen ein glückliches, zufriedenes Leben haben, und dass diese Menschen ein Recht haben zu leben,
- lernen, dass die Gesellschaft solche Menschen nicht ausschließen darf, sondern Verantwortung hat, soziale Kälte zu überwinden. "Menschliche Hilflosigkeit ist eine Herausforderung an uns, vor allem in Taten menschlich zu sein." (Herrmann Gmeiner) Oder, wie es Henri J.M. Nouwen sagt: "Für andere Sorge tragen heißt Mensch sein."
Es geht um die "Herzensbildung" unserer Schülerinnen und Schüler. Sie sollen sich bewusst werden, dass zuerst der Mensch im Blick sein muss. Die Wertschätzung jedes Menschen ist wichtig und kommt vor der Wirtschaftlichkeit. "Man sieht nur mit dem Herzen gut." (Der Kleine Prinz)
Unsere Schülerinnen und Schüler sollen diesen Menschen Zeit schenken, Zeit, die das Personal in ihrem Alltag oft nicht mehr aufbringen kann. "Wer hilft, handelt wie Jesus." - "Helfen ist eine spirituelle Haltung und Erfahrung." (Aus: Wer hilft, wird ein anderer/Festzeitschrift für Isidor Baumgartner - LIT)
Gedacht ist da an: Vorlesen, spielen, spazieren gehen, zuhören lernen, beim Essen helfen u. ä. mehr. Natürlich sollen sie auch bei der täglichen Pflege zur Hand gehen. Sie können und sollen aber nicht das Personal ersetzen.
Sie sollen im Umgang und im Zeitschenken Erfahrungen für das eigene Leben sammeln, die der soziale Kontakt zu Menschen, die krank, behindert, alt oder verhaltensaufällig sind, ihnen schenken kann. Sie können lernen, ihr Ich zu stärken, lernen so aber auch ihre Stärken und Schwächen kennen. Dieser Kontakt gibt ihnen die Chance über sich etwas zu erfahren, und sie können die eigenen Lebensmöglichkeiten und das eigene Umfeld neu schätzen lernen. Sie sollen sich von der "Not" anderer berühren lassen und sie werden aus diesem Kontakt verändert hervorgehen. Professor Baumgartner - Professor für Caritaswissenschaft in Passau und Diplompsychologe - sagt in diesem Zusammenhang: "Wer hilft, wird ein anderer!"
Für uns Lehrer ist es selbstverständlich, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler im Unterricht auf Compassio vor- und nachbereiten und dass wir sie während des Praktikums begleiten. Aus Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern erfahren wir, dass diese Zeit für die meisten von ihnen eine gute Erfahrung für ihr Leben ist. Auch negative Erfahrungen tragen dazu bei. Compassio ist aus dem Schulleben des St.- Josef- Gymnasiums nicht mehr wegzudenken. Auch Eltern, mit denen ich gesprochen habe, bestätigen mir das, und Außenstehende bestärken uns in der Durchführung von Compassio, weil sie glauben: "Das ist eine gute Sache."
Mit freundlichen Grüßen

Pater Wilhelm von Rüden, Schulseelsorger


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