Privates Sankt-Josef-Gymnasium Biesdorf
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20.01.2011

"Sternstunden"
Hellmut Stern Gast am St.-Josef-Gymnasium

"Insel der Glückseligen"
Neugierig sitzen die Schüler der 12. Klasse im Mehrzweckraum und warten. Nach einigen Minuten betritt Hellmut Stern den Raum. Ein freundliches Lächeln, eine persönliche Begrüßung für den etwas zu spät kommenden Schüler und schon fängt er an, seine Geschichte zu erzählen. Immer wieder bezieht er sein Publikum mit ein, fragt nach Musikern oder aber, ob jemand weiß, wo Königswusterhausen liegt. Nach und nach zieht er jeden in seinen Bann. Er macht bewusst, wie glücklich wir uns schätzen müssen, in einem friedlichen Land mit einer stabilen politischen Ordnung zu leben. Im Vergleich zu vielen anderen Staaten auf der Welt ist Deutschland in seinen Augen die "Insel der Glückseligen". Kaum jemand dürfte dies so gut beurteilen können wie er:
Seine Kindheit verbrachte Hellmut Stern in Berlin, wo er 1928 geboren wurde. Als 1933 die "Raubmörder", wie Hellmut Stern die Nationalsozialisten bezeichnet, die Macht ergriffen, wurden die Zeiten für ihn und seine Familie schwierig, da sie dem jüdischen Glauben angehören. Schon 1933 ahnte sein Vater, dass sie nicht mehr lange in Deutschland bleiben können. Doch bis 1938 besuchte Hellmut Stern eine jüdische Volksschule in Berlin. Als er am Morgen nach der Reichspogromnacht 1938 zur Schule ging, musste er jedoch feststellen, dass die Schule in Flammen stand. Aufgrund der zunehmenden Entrechtung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten floh seine Familie am 21.11.1938 zunächst nach Shanghai. Schon in Berlin hatte seine Mutter ein Visum für Harbin, im Nordosten Chinas, besorgt.



In Harbin angekommen, erhält Hellmut Stern auch Geigenunterricht. Dazu erzählt er eine kleine Anekdote: In Harbin lagen im Winter die Temperaturen häufig um die minus 20 Grad. Auf dem langen Weg zum Geigenlehrer wurden seine Finger so kalt, dass er kaum die Schlösser des Geigenkoffers öffnen konnte. Als der Lehrer daraufhin vermutete, er würde so langsam auspacken, weil er nicht geübt hatte, war er zu schüchtern, um ihm die Wahrheit zu erzählen. Deshalb musste er, ohne eine Unterrichtsstunde bekommen zu haben, wieder nach Hause gehen.
Nach und nach begann Hellmut Stern durch das Geigespielen bei Hochzeiten und anderen Festlichkeiten den Lebensunterhalt der Familie mitzuverdienen.
Nach elf Jahren in Harbin konnte die Familie endlich nach Israel ausreisen. Dort arbeitete Hellmut Stern weiter als Musiker in Gruppen, die in Bars und Hotels auftraten, bis er eines Tages durch Zufall den bekannten Violinisten Isaac Stern kennen lernte. Dieser verschaffte ihm die Möglichkeit, beim Israel Philharmonic Orchestra vorzuspielen, in welches er aufgenommen wurde.
Einige Jahre später ging er in die USA, da sein Vater dort erkrankt war. Er musste zunächst als Schuhverkäufer und Barpianist arbeiten, später spielte er in Orchestern in St. Louis und New York.
1961 kehrt Hellmut Stern nach Berlin zurück. Dort ist er bis 1994 erster Geiger bei den Berliner Philharmonikern und ist maßgeblich daran beteiligt, dass das Orchester 1990 eine Tournee durch Israel macht.
Plötzlich sieht Hellmut Stern auf die Uhr und merkt, dass die zwei Stunden fast vorbei sind. Schnell hängt er noch eine Geschichte an, die er zwar humorvoll erzählt, die Schüler aber ernsthaft zum Nachdenken bringt. Es ist die Geschichte, wie er vor einer Jugendgruppe in der Nähe von Berlin saß, die sich selbst als rechtsextrem bezeichnet und über den langen Erkenntnisprozess eines Gruppenmitglieds, dass er ja "eigentlich einer von ihnen ist".
Auch nachdem der Vortrag vorbei ist, beantwortet Hellmut Stern geduldig die Fragen der Schüler. Lange noch unterhält er sich mit einer musikbegeisterten Schülerin über die großen Orchester und die Schwierigkeiten, dort hineinzukommen.
(Rebecca Kottmann)


Hellmut Stern zu Gast beim Biesdorfer Forum
Am 20.01.11 besuchte Hellmut Stern das St.-Josef-Gymnasium in Biesdorf. Mit einem Vortrag brachte der ehemalige erste Geiger der Berliner Philharmoniker Schülern, Eltern und Lehrern seine Geschichte näher. Gesponsert wurde die Veranstaltung vom Verein der Freunde, Förderer und Ehemaligen des St.-Josef-Gymnasiums e.V. und der Bibliothek der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung.
Nachdem Hellmut Stern im ersten Teil seines Vortrags sein Leben bis zu seiner Aufnahme bei den Berliner Philharmonikern geschildert hatte, stand im zweiten Teil vor allem seine Zeit bei den Philharmonikern im Fokus.



Eingehend schildert er die Zeit, in der Herbert von Karajan das Orchester dirigierte. Während er zunächst die gute Zusammenarbeit lobt, geht er aber auch auf das spätere Zerwürfnis 1989 ein, in dessen Rahmen Herbert von Karajan das Orchester verließ.



Im Anschluss an den Vortrag signierte Hellmut Stern noch zahlreiche Exemplare seines Buchs "Saitensprünge" und versprach, seinen Besuch bald zu wiederholen.
(Rebecca Kottmann)


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